Fangnetz für Wasser aus Nebel

Wolkenfischer

Wasser ist Leben.

Dass das keine leere Phrase ist, beweist schon allein die Statistik: Durch verunreinigtes Wasser verursachte Krankheiten sind für mehr Todesfälle verantwortlich als alle Formen von Gewalt – einschließlich Kriege. Laut den Vereinten Nationen (UN) haben 771 Millionen Menschen weltweit keinen sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Fast jedem Zweiten von ihnen fehlt sogar der Zugang zu jeglicher Trinkwasserinfrastruktur. Doch Versorgung mit Wasser ist eine Sache, Hygiene eine andere: Unfassbare 3,6 Milliarden Menschen haben keinen gesicherten Zugang zu Sanitärversorgung, rund die Hälfte davon nicht einmal zu einer sanitären Basisversorgung.

Santa Rosa/Peru_ Bild: ZDF-PlanB

Die kleine Gemeinde Santa Rosa liegt in einer Wüstenregion vor den Toren der peruanischen Hauptstadt Lima. Einen Anschluss an die städtische Wasserversorgung gibt es nicht, und so waren die rund 300 Familien mit vielen Kindern bislang auf teure Wasserlieferungen privater Anbieter angewiesen. Doch seit kurzem machen sie sich eine klimatische Besonderheit zunutze: Sechs Monate im Jahr herrscht in ihrer Gegend starker Nebel. Sie fangen die Tröpfchen aus der feuchten Luft ein – dank einer Erfindung namens Cloudfisher – Wolkenfischer. Monica Denomy von der Deutschen Wasserstiftung hat in Santa Rosa zusammen mit einem lokalen Partner, der NGO Aprodes, Dutzende dieser windfesten und effizienten Nebelwasserkollektoren errichten lassen. Sie versorgen über tausend Menschen mit Trinkwasser. „Ihr Leben wird einfacher, weil man sich nicht jeden Tag darum kümmern muss, ob ausreichend Wasser vorhanden ist.“ Und es ist kostenlos. Das macht die Menschen unabhängig von den Wucherpreisen der kommerziellen Wasserlieferanten.

Tansania /Projektgebiet Babati/ Bild: GEA

Die gemeinnützige Organisation Viva con Agua aus Hamburg fördert sogenannte WASH-Projekte mit der Vision „Wasser für alle und alle für Wasser“. WASH steht für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene – alle Menschen sollen Zugang zu sauberem Trinkwasser, Hygieneeinrichtungen und sanitärer Grundversorgung bekommen. GEA unterstützt  exklusiv in den kommenden drei Jahren ein WASH-Projekt zur Wasserversorgung von Schulen im ostafrikanischen Tansania. Viva con Agua  erhielt dafür Ende 2022 eine Spende über 250.000 Euro. Darüber hinaus  werden Beschäftigte von GEA, vor allem aus dem Bereich Umweltschutz, ihr Expertenwissen in das Projekt einbringen und mit den Teams von Viva con Agua zusammenarbeiten.

Das Projektgebiet Babati in der Region Manyara liegt nahe des Kilimandscharos auf etwa 2.000 Meter Höhe. Das Klima ist gemäßigt mit trockenen Wintern und warmen Sommern. Da Brunnenbau in dieser Gegend nahezu unmöglich ist, setzt Viva con Agua neben dem Sammeln von Regenwasser auf eine spezielle Technologie zur Wassergewinnung, die so simpel wie genial ist: Nebelfangnetze. Sie sammeln das Wasser, das sich als Feuchtigkeit aus der Luft an ihnen absetzt. Die wartungsarmen Netze bestehen aus speziellem Textilgewebe mit dreidimensionaler Struktur und fischen bis zu 1.000 Liter an einem nebligen Tag aus der Luft. In Gebieten, wo Grundwasser Mangelware ist, gewährleistet dieses Prinzip damit eine nachhaltige Wasserversorgung.

Messungen in Babati versprechen bei einer Menge von 300 bis 600 Litern Wasser pro Nebeltag einen Ertrag von 51 Kubikmetern pro Jahr aus einem 54 Quadratmeter großen Nebelnetzkollektor. Der höchste Ertrag wird während der Trockenzeit erzielt, wenn der Nebel vorherrscht. Damit ist es das technisch fortschrittlichste und ertragreichste Nebelnetzsystem der Welt. Das Wasser wird in Zisternen mit 10.000 Litern Kapazität geleitet.

Ab Herbst 2023 sollen die Nebelnetze, die etwa zehn Jahre halten und zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Stück kosten, drei Schulen mit 1.000 Kindern in Manyara mit Trinkwasser versorgen. Die Schulen im Distrikt Babati sind nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Die Situation in der Region steht stellvertretend für einen Großteil des ländlichen Tansanias: Gut die Hälfte der Einwohner hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und mehr als drei Viertel haben nicht einmal eine sanitäre Grundversorgung. Den Hauptanteil der Wasserversorgung übernimmt der Regen – immerhin gibt es zwei Regenzeiten, eine im Frühjahr und eine im Spätherbst. Für das Regenwasser, das von den Schuldächern aufgefangen wird, hat Viva con Agua die Sammelsysteme entwickelt. Sie versorgen noch weitere zehn Schulen, ein Berufsbildungszentrum und das örtliche Krankenhaus mit sauberem Wasser. Insgesamt können so ungefähr 4.000 Kinder und indirekt 25.000 Einwohner der umliegenden Gemeinden unterstützt werden. 

Doch dabei soll es nicht bleiben. Viva con Agua möchte dieses Projekt ausweiten, um drei weitere Schulen und deren Nachbargemeinden mit dieser Technologie zu erreichen. Das Gesamtpaket beinhaltet außerdem drei Zisternen für jeweils 50.000 Liter Regenwasser, sechs Sanitäranlagen und 30 Keramikwasserfilter für Schulen. Zum Aufbau lokaler Kapazitäten umfasst das Projekt außerdem noch Betriebs- und Wartungsschulungen sowie Schulungen zur Hygieneförderung.

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